Milchstraßen Fotografie

Workshop

DATE: August 2022  |  Nordeifel

01. Milchstraße

Sterne und Milchstraße zu fotografieren ist garnicht so schwer.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Wer kennt sie nicht, Aufnahmen vom Galaktischen Zentrum und Zeitraffer der Milchstraße bei Nacht. (Klick hier zu meinem Video) Möchte man diese Aufnahmen in Deutschland selber machen, ist eine gute Planung vorausgesetzt. Der richtige Ort und die Zeit spielen hier eine wichtige Rolle. Unser Erde dreht sich bekanntermaßen im Universum und aus diesem Grund gibt es für die Fotografie der Milchstraße oft nur wenige Tage im Jahr, indem das Zentrum gut zu sehen ist.

Bei der Vorbereitung und Planung helfen Dir bekannte Handy-Apps wie: PhotoPills u. Planit Pro. Mit diesen Programmen kannst Du den perfekten Zeitpunkt (um den Neumond) und den Orte vorher von zu Hause planen.

In Deutschland eignen sich die Monate Oktober bis März nicht für die Milchstraßenfotografie, da das Galaktische Zentrum hinter dem Horizont verschwindet. Der Zeitraum April bis September (bis maximal Oktober) ist für unsere Breitengrade und den Blick auf das Milchstraßenzentrum geeignet. Anfang April ist das Zentrum in den frühen Morgenstunden sehr flach am Himmel zu erkennen, je später im Jahr, befindet sich das Galaktische Zentrum höher am Himmel und ist steiler ausgerichtet.

Für Deine Planung kommt hinzu, dass Du dich an einem „dunklen“ Ort mit geringer Lichtverschmutzung aufhalten solltest. Deshalb auch die Planung bei Neumond. Zudem wird hier in Deutschland, die Milchstraße dann in südlicher Richtung zu finden sein. Google nach „dark site finder“ oder „light pollution map“ hier findest Du einige Treffer, die Dir die Lichtverschmutzung an einer bestimmten Örtlichkeit anzeigen. Die App „Light Pollution Map“ für Dein Handy kannst Du auch nutzen.

Achte auch auf die Wettervorhersagen zum Zeitpunkt, bei bewölktem Himmel wirst Du keine Sterne sehen können und die Milchstraße bleibt Dir verborgen. Der Mond sollte zu diesem Zeitpunkt bereits untergegangen sein oder plane das Fotoevent um den Neumond, dann ist der Mond nicht ganz so hell am Himmel und die Sterne sind besser zu erkennen.

Hast Du so den Tag, die Zeit und den Ort für Dich gefunden, stellst sich die Frage: Welche Kamera, welches Objektiv und Ausrüstung brauche ich für mein Bild. -> öffne den Punkt „Die richtige Ausstattung“

Die richtige Ausstattung (Kamera u. Objektiv)

Damit Dir gute Aufnahmen von der Milchstraße gelingen, kommt es auf die richtige Kamera, das passende Objektiv und die entsprechende Ausrüstunge an. Was Du benötigst sind folgende Gegenstände:

  • Systemkamera (spiegellos oder spiegelreflex)
  • ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
  • Stativ
  • Fernauslöser (optional)
  • Taschenlampe o. Stirnlampe (optional)

Kamera:

In meinem Fall nutze ich eine Sony A7 IV (Systemkamera) und das Weitwinkelobjektiv von Sony SEL14F18GM. Bei der Kamera handelt es sich um eine spiegellose Vollformatkamera mit EXMOR R Sensor und 33 Megapixel Auflösung. Du solltest Deine Kamera in den manuellen Modus stellen können und wissen, wie man Blende, Verschlußzeiten und den ISO-Wert einstellt.

Objektiv:

Ich nutze ein Ultra-Weitwinkel Objektiv: Sony SEL14F18GM, mit einer Brennweite von 14 mm und einer maximalen Blende von F 1.8. Je Lichtstärker und weitwinkliger Dein Objektiv ist, desto bessere Fotos werden Dir gelingen. Je mehr Sterne wirst Du auf deinem Bild festhalten können.

Geeignete Brennweiten wären für:

  • Vollformatkameras: 14mm – 24mm
  • APSC Kameras: 11mm – 18mm
  • MFT Kameras: 7mm – 14mm

Die Blende sollte sich weit öffnen lassen und von etwa f/1.8 bis f/3.5 wählbar sein.

Zubehör:

Ein stabiles Stativ hilft Dir bei Deiner Langzeitbelichtung. Achte auf einen guten Stand und festen Untergrund, damit Dein Bild nicht verwackelt. Optional nutze ein Fernauslöser und löse die Fotos aus ohne die Kamera zu berühren. Alternativ stelle an Deiner Kamera den Selbstauslöser an. Damit Du selbst etwas siehst in der Dunkelheit, kann ich Dir eine Stirnlampe empfehlen. Idealerweise hat die Lampe eine Einstellung für ein schwaches, rotes Licht. Das Rotlicht hilft Dir, die Nachtsicht (Adaption der Augen an die Dunkelheit) nicht zu verlieren. Beim Ausschalten der Lampe für Dein perfektes Foto, müssen Deine Augen nicht so lange warten bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt haben. 

-> Wie stelle ich meine Kamera richtig ein. 

Die richtige Einstellung Deiner Kamera

Suche für Dein Stativ einen festen Untergrund und einen tollen Vordergrund und/oder Hintergrund aus. Dann gilt es folgende Punkte zu Beachten:

1. Kamera Einstellungen.

Stelle die Kamera auf den manuellen Modus „M-Modus“ damit kannst Du alle Einstellungen selbst vornehmen. Blende, Verschlusszeit und ISO-Werte stellen wir passend ein. Du solltest die Fotos im RAW-Format aufnehmen, damit Du später das Bild optimal am PC bearbeiten (verbessern) kannst. Du nutzt ein Stativ also kannst Du den Bildstabilisator an der Kamera und eventuell auch am Objekt ausschalten. Auch eine eingeschaltete Rauschunterdrückung kannst Du ausschalten sonst vergeht zu viel Zeit bis Du erneut auslösen kannst.

2. Manuell „scharf“ stellen – kein Autofokus

Ein Autofokus ist gut, doch im Dunkeln kann dies zu Problemen beim Scharfstellen führen. Fokussiere auf einen hellen Stern und stelle diesen Punkt dann manuell scharf. Alternativ suche Dir im Vordergrund/Hintergrund ein Objekt (Laterne, Baum etc.) und stelle diesen scharf. Diese Einstellung behälst Du fest eingestellt.

3. Blende möglichst offen einstellen

Jetzt öffne die Blende an Deinem Objektiv so weit es möglich ist -> F/1.8 – F/2.8 wäre hier eine gute Wahl. Das Ziel ist es viel Licht auf den Sensor zu bekommen während der Belichtungszeit. Je nachdem welches Objektiv Du nutzt blende eine Stufe ab, damit es bei maximal offener Blende nicht zu ungewollten Vignettierungen an den Rändern kommt. Ich habe an meinem Objektiv eine Blende von F/2.0 eingestellt.

4. Verschlusszeit wählen

Die beste Einstellung für die Belichtungszeit hängt etwas von der verwendeten Kamera, der Sensorgröße und der eingestellten Brennweite ab. Du solltest eine längere Verschlusszeit einplanen, die genaue Zeit kann nach folgender „500er-Regel“ berechnet werden.  Regel: ( 500 / Brennweite ) = Verschlusszeit

Rechenbeispiel einer Vollformatkamera: 

500 geteilt durch 14mm Brennweite meines Objektives (500/14 = 35 sek.)

Bei meinem Objektiv stelle ich die Verschlusszeit somit auf 35 Sekunden ein.

Rechenbeispiel bei einer Crop-Kamera (APSC etc.):

Bei einer Crop-Kamera, wird noch der sogenannte Crop-Faktor der Kamera berücksichtigt. Erkundige Dich nach dem Faktor für Deine Kamera. Bei einer APSC Kameras von Canon, ist der Crop-Faktor: 1,6. Die Brennweite des verwendeten Objektives ist dann Brennweite x 1.6 zu rechnen.

Beispiel Canon R7:

Ich besitze eine Canon R7 (APSC Kamera). Mein Objektiv ist das RF35f1.8, die Festbrennweite ist somit 35mm (an Vollformat Kamera wie einer R5 oder R6). Der Crop-Faktor dieser Canon R7 Kamera liegt bei 1,6. Die Rechnung der Brennweite an der Crop-Kamera ist somit (35mm x 1,6 = 56mm). Nach der 500er – Regel ergibt sich dann eine Verschlusszeit von 8 bis 9 Sekunden (500/56 = 8,928).

5. ISO Einstellung

Starte hier bei einer Probeaufnahme mit einem ISO-Wert von ca. 3200. Schau Dir die Aufnahme anschließend an. In der Regel sollte der ISO-Wert im Bereich von 1600 bis 6400 eingestellt werden, um genug Licht für ein helles Bild zu erhalten. Eventuell passe den ISO-Wert dann auf Deine Einstellungen an.

6. Weißabgleich

Da Du in RAW Format fotografierst, kannst Du den Weissabgleich später noch bei der Bildbearbeitung anpassen. Alternativ wähle einen passenden Wert zwischen 2800 – 3000 Kelvin.

7. Probeaufnahmen / Histogramm prüfen

Deine Probeaufnahme solltest Du kontrollieren hierbei hilft Dir auch das Histogramm.

Und jetzt wünsche ich Dir viel Spaß bei Deinem Milchstraßen Fotos.

02. Location

Eifel-Blick „Schöne Aussicht“ am Rursee

Meine Aufnahmen entstanden im August im Nationalpark der Nord-Eifel in der Nähe der Ortschaft Schmidt am Rursee. Für eine Googlesuche gib folgendes ein:  „Hubertushöhe + 52385 Nideggen + schöne Aussicht“.

Das Panorama über den Rursee und die Staumauer ist wunderbar.

Weitere Ausflugsziele in der Nähe:

  • Für Familien mit Kindern kann ich den Spielplatz „Im Wildpark“ empfehlen.
  • Burgmuseum der Burg Nideggen
  • Staubecken Heimbach (Holzsteg läd zum Wandern ein)
Hier noch ein paar Eindrücke vom Workshop: